28.10.2026

Armut in der Schweiz: Wenn finanzielle Reserven fehlen

Die Schweiz gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Trotzdem leben viele Menschen mit wenig Einkommen oder ohne finanzielle Reserven. Zahlen von OECD und Bundesamt für Statistik zeigen, wie unterschiedlich sich finanzielle Unsicherheit bemerkbar macht.

Die Schweiz gilt als wirtschaftlich stark. Doch Wohlstand bedeutet nicht automatisch finanzielle Sicherheit für alle. Aktuelle Veröffentlichungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und des Bundesamts für Statistik (BFS) verdeutlichen zwei unterschiedliche Herausforderungen: Einkommensarmut und fehlende finanzielle Reserven für unerwartete Ausgaben.

9,8 Prozent unter der relativen Armutsgrenze

Gemäss OECD lebten 2023 in der Schweiz 9,8 Prozent der Bevölkerung unter der relativen Armutsgrenze.

Die OECD verwendet dafür eine Einkommensgrenze, die bei 50 Prozent des nationalen Medians des bedarfsgewichteten verfügbaren Haushaltseinkommens liegt. Dabei wird berücksichtigt, wie viele Personen in einem Haushalt leben.

Diese Kennzahl beschreibt Armut im Verhältnis zum allgemeinen Einkommensniveau. Sie unterscheidet sich von der Armutsquote, die das Bundesamt für Statistik anhand des sozialen Existenzminimums berechnet.

20,7 Prozent können unerwartete Ausgaben nicht selbst tragen

Eine weitere Zahl zeigt, wie wichtig finanzielle Reserven im Alltag sind.

Gemäss der Erhebung SILC 2024 des BFS lebten 20,7 Prozent der Bevölkerung in Haushalten, die eine unerwartete Rechnung von 2'500 Franken nicht innerhalb eines Monats aus eigenen Mitteln bezahlen könnten, ohne ihre finanzielle Situation zu beeinträchtigen.

Bei der Erhebung ging es um eine hypothetische Rechnung, beispielsweise für den Ersatz einer Waschmaschine oder aufgrund eines gesundheitlichen Problems.

Das bedeutet nicht, dass alle diese Menschen in Armut leben. Die Zahl zeigt jedoch, wie verletzlich ein Haushaltsbudget sein kann, wenn finanzielle Rücklagen fehlen.

Wenn notwendige Ausgaben zur Belastung werden

Ob steigende Wohn- und Energiekosten, notwendige Anschaffungen oder zusätzliche Ausgaben für den Arbeitsweg: Für Menschen mit knappem Budget können solche Belastungen schnell zum Problem werden. Fehlen finanzielle Reserven, müssen Rechnungen möglicherweise aufgeschoben werden. Dadurch kann das Risiko einer Verschuldung steigen.

Auch in unserer Region beschäftigt diese Problematik die Sozial- und Schuldenberatung von Caritas St. Gallen-Appenzell.

In unserem Beitrag «Wenn notwendige Ausgaben zur Schuldenfalle werden» erläutert Lorenz Bertsch, Bereichsleiter Sozial- und Schuldenberatung, anhand konkreter Beispiele aus der Region, welche Folgen zusätzliche finanzielle Belastungen haben können.

Die Sozial- und Schuldenberatung unterstützt Menschen dabei, ihre finanzielle Situation zu klären und mögliche nächste Schritte zu entwickeln. Wer Schwierigkeiten hat, Rechnungen zu bezahlen, sollte möglichst früh Beratung in Anspruch nehmen.

 

Quellen