08.10.2026
Wenn notwendige Ausgaben zur Schuldenfalle werden
Was für manche eine überschaubare Mehrausgabe ist, kann für andere das gesamte Haushaltsbudget gefährden. Lorenz Bertsch von Caritas St. Gallen-Appenzell spricht im «Sarganserländer» über finanzielle Risiken in der Region und die Grenzen der Unterstützung.
Für Menschen, die im Schichtbetrieb arbeiten, ist das Auto häufig unverzichtbar. Wenn zu Arbeitsbeginn noch keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren, bleibt ihnen kaum eine Alternative. Welche finanziellen Folgen die höheren Treibstoffpreise haben, verdeutlicht Lorenz Bertsch, Bereichsleiter Sozial- und Schuldenberatung bei Caritas St. Gallen-Appenzell, anhand eines Beispiels: Wer täglich rund 100 Kilometer mit dem Auto zurücklegt, muss gegenüber dem Frühjahr 2021 mit monatlichen Mehrkosten von etwa 140 Franken rechnen.
Wie viele Menschen von solchen Belastungen betroffen sein können, zeigen die Zahlen aus dem Sarganserland. Laut Bertsch leben dort rund 4'000 Personen am oder knapp unter dem sozialhilferechtlichen Existenzminimum. Lediglich etwa 400 von ihnen beziehen Sozialhilfe. Die übrigen 3'600 müssen ihren Lebensunterhalt ohne diese Unterstützung bestreiten.
Mit Sorge blickt Bertsch auf das Frühjahr 2027. Aufgrund der gestiegenen Öl- und Gaspreise könnten auf vierköpfige Haushalte am Existenzminimum Nebenkostennachzahlungen zwischen 1'500 und 2'500 Franken zukommen. Ohne finanzielle Reserven sind solche Beträge kaum zu bewältigen. Bleiben Rechnungen unbezahlt, droht eine Schuldenspirale, aus der sich Betroffene nur schwer wieder befreien können.
Caritas rechnet deshalb mit einer zunehmenden Nachfrage nach ihrer kostenlosen Sozial- und Schuldenberatung sowie nach den Lebensmittelabgaben in der Region. Neben der Beratung sind in bestimmten Fällen auch finanzielle Überbrückungshilfen möglich. Entscheidend sei jedoch, dass sich Betroffene frühzeitig an die zuständigen Stellen wenden.
Gleichzeitig sieht Bertsch die Politik in der Verantwortung. Im Gespräch mit dem «Sarganserländer» macht er deutlich, dass die bestehenden Hilfsangebote zwar akute Not lindern, die Ursachen finanzieller Schwierigkeiten jedoch nicht beseitigen können. Er spricht sich deshalb für einen nationalen Mindestlohn und höhere Prämienverbilligungen aus.
Bild: Sarganserländer
Zum vollständigen Artikel im «Sarganserländer»
Der Beitrag von Gianluca Volpe erschien am 8. Oktober 2026
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