youngCaritas: Partizipation, die verbindet
5. Oktober 2026 | 5 min. Lesezeit
Junge Freiwillige entwickeln mit youngCaritas ein Freizeitprojekt für Menschen im Asylbereich. Im Zentrum stehen Mitbestimmung, Begegnung und gegenseitiges Lernen. Einblick in ein partizipatives Projekt.
Unweit des Bahnhofs Kollbrunn bei Winterthur liegen ein grosser Wohnblock und zwei weitere Häuser in einer ruhigen, grünen Umgebung. Die Bewohnenden grüssen freundlich, bevor sie wieder in einem der hohen, grauen Gebäude verschwinden. Menschen leben in dieser Einrichtung, weil sie auf einen Asylentscheid warten, bereits anerkannt wurden und auf die Zuteilung in eine Gemeinde hoffen oder ihre Rückkehr vorbereiten. Es ist das Durchgangszentrum Kollbrunn.
Die Bewohnenden verbindet eine Phase des Wartens, entsprechend hoch ist der Wunsch nach etwas Normalität. An dieser Stelle setzt ein neues Projekt von youngCaritas Zürich an: Junge Freiwillige entwickeln Freizeitausflüge für die Bewohnenden. Dies nicht nach einem vorgegebenen Konzept, sondern in einem gemeinsam entwickelten Prozess.
Freiwillige gestalten mit
youngCaritas ist der Jugendbereich von Caritas und bietet Menschen zwischen 16 und 30 Jahren die Möglichkeit, sich freiwillig zu engagieren. Für Brittney Kanuga, Bildungsverantwortliche bei youngCaritas Zürich, ist klar: «Uns ist wichtig, dass die Projekte wirklich zu Projekten der Freiwilligen werden.» Wer mitgestaltet, übernimmt Verantwortung und erlebt Selbstwirksamkeit, deshalb stehen Beteiligung und Mitsprache von Beginn an im Zentrum.
Seit Herbst 2025 begleitet Kanuga die Projektgruppe. Im Durchgangszentrum trifft sie sich gemeinsam mit dem Organisationskomitee und Antoni Rameshkanth Antonipillay, Co-Leiter des Zentrums. Unterstützt wird die Zusammenarbeit von Lena Baumann, Koordinatorin Freizeit und Freiwilligenarbeit bei Caritas Schweiz, die zwischen Einrichtung und Freiwilligengruppe vermittelt.
Für Moira N. war sofort klar, dass sie dabei sein wollte. Die 25-jährige Kommunikationsstudentin engagiert sich bereits in der Aktionsgruppe Armut von youngCaritas. «Flucht ist ein politisch aufgeladenes Thema, das mich interessiert. Ich wollte Menschen begegnen und mir ein eigenes Bild machen.»
Auch Ana S. sagte unmittelbar zu. Die 26-Jährige mit einem Master in Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt sich seit Langem mit dem Asylwesen. «Die Zeit verging wie im Flug», sagt sie rückblickend. «Die Sitzungen waren gut organisiert und die Aufgaben klar verteilt. Dadurch blieb das Engagement gut mit dem Alltag vereinbar.»
Begegnung auf Augenhöhe
Bei den Treffen legt Brittney Kanuga grossen Wert auf eine offene Atmosphäre. Entscheidend ist, welche Erfahrungen und Ideen jede Person einbringt. «Bildungsabschlüsse sind hier nicht relevant», sagt sie dazu, «wir profitieren vom Wissen aller Teilnehmenden, das in den Sitzungen von youngCaritas zusammenkommt.» Heute werden Fragen geklärt, die an der letzten Sitzung am Hauptsitz von Caritas Zürich bei einem sommerlichen Imbiss gesammelt wurden.
«Ich schätze diese lockere Atmosphäre sehr», betont Fiona D.. Auch sie ist Teil des Organisationskomitees und seit Projektstart engagiert. Die 28jährige Doktorandin der Seismologie an der ETH Zürich ist im Sommer 2025 nach Zürich gezogen. Schon in Deutschland hat sie sich freiwillig in der Flüchtlingshilfe engagiert, in der Schweiz hat youngCaritas schnell ihr Interesse geweckt. «Die Atmosphäre ist unkompliziert und gleichzeitig sehr professionell. Dadurch entsteht ein spannender Austausch und das Projekt kommt schnell voran.»
Im Zentrum Kollbrunn bespricht das Organisationskomitee die nächsten Schritte an diesem Tag direkt mit Antoni Antonipillay. Die Freiwilligen übernehmen die Gesprächsleitung selbst, Kanuga hält sich bewusst im Hintergrund. Die Fragen zeigen echtes Interesse am Alltag der Bewohnenden. Es geht um organisatorische Abläufe ebenso wie um sensible Themen wie Nähe und Distanz im freiwilligen Engagement. Ausserdem wird dem Leiter der Einrichtung das Projektkonzept vorgelegt. Geschrieben wurde es von Ana, Fiona, Moira und weiteren Personen aus dem Kernteam der Projektgruppe.
«Uns ist wichtig, dass die Projekte wirklich zu Projekten der Freiwilligen werden.»
«Dass wir uns in allen Schritten dieses Prozesses einbringen können, ist besonders», führt Moira aus. Sie lerne viel über Projektarbeit, was sie auch in ihrer beruflichen Laufbahn weiterbringe. Sie war schon zu einem früheren Zeitpunkt bei einem Besuch des Durchgangszentrums dabei, als der Entscheid für diesen Durchführungsort für das Projekt gefällt wurde. Nach all den Planungsschritten kommt nun die Umsetzung immer näher.
Gemeinsam in die Umsetzung
Gibt es Erwartungen vom Durchgangszentrum an die Projektgruppe von youngCaritas Zürich? Der Co-Leiter Antonipillay lächelt. «Wir schätzen es sehr, dass ihr euch freiwillig engagiert und mit eigenen Ideen auf uns zukommt», sagt er. «Das bereichert unseren Standort und schafft für unsere Bewohnenden wertvolle Beschäftigungs und Begegnungsmöglichkeiten.» Während einer Führung über das Areal erhält die Projektgruppe Einblicke in den Alltag im Durchgangszentrum. Drei bis fünf Personen teilen sich ein Zimmer einer Dreizimmerwohnung, Küche und Bad werden gemeinsam genutzt. Der Besuch bestärkt sie in ihrem Vorhaben. «Wir sind motiviert, sofort loszulegen», sagt Moira.
Die Partizipation der Freiwilligen von youngCaritas ist gross, nun sollen auch die Bewohnenden die Möglichkeit zur Mitbestimmung erhalten. Der nächste Schritt im Ablauf des Projektes ist die Vorstellung des Angebotes vor Ort. Das Durchgangszentrum lädt zum gemeinsamen Grillabend ein, bei dem alle Bewohnenden zusammenkommen. «So sehen uns die Bewohnenden, was den Zugang zu unseren Ausflügen niederschwelliger macht», ist Fiona überzeugt. Zudem erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, selbst zwischen den Ausflugsideen auszuwählen. Damit schliesst sich der Kreis. Was vor Monaten mit einer Idee begann, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem Projekt, das von Freiwilligen aufgebaut und gemeinsam mit den Menschen im Durchgangszentrum weitergestaltet wird.
Dieser Artikel erschien im «Caritas regional». Das Magazin der regionalen Caritas-Organisationen erscheint zweimal jährlich.
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