Mehr als Kerzen anzünden
7. September 2026 | 3 min. Lesezeit
Marianne und Vanessa arbeiten bei Caritas. Doch einmal im Jahr tauschen sie ihren Büroalltag gegen einen Einsatz am Kerzenstand. Bei «Eine Million Sterne» erleben sie, wie aus vielen kleinen Lichtern etwas Grosses entsteht und wie die Aktion Menschen zusammenbringt.
Kerzen verteilen, Dochte anzünden, Fragen beantworten: Am Kerzenstand von «Eine Million Sterne» herrscht reger Betrieb. Dahinter stehen Marianne und Vanessa. Die beiden Caritas-Mitarbeiterinnen engagieren sich seit Jahren in ihrer Freizeit für die Lichteraktion. Und sie kommen gerne wieder. Für sie ist es eine willkommene Abwechslung zum Berufsalltag und eine Gelegenheit, gemeinsam etwas zu bewegen.
Immer wieder ergeben sich schöne, unerwartete Begegnungen.
«Sonst sitze ich viel am Computer mit Zahlen. Hier packen wir gemeinsam an und sehen am Ende direkt, welches Produkt wir geschaffen haben», erzählt Marianne, die in den Zentralen Diensten (Administration und Lohnbuchhaltung) arbeitet. Vanessa hingegen arbeitet am Empfang und schätzt den Kontakt mit Menschen auch in ihrem Berufsalltag. Am Kerzenstand erlebt sie diesen in einer besonderen Atmosphäre: Menschen bleiben stehen, stellen Fragen, erzählen von sich und lassen sich von der Aktion berühren.
Begegnungen, die bleiben
Am Kerzenstand treffen ganz unterschiedliche Menschen aufeinander. Da ist etwa die italienische Reisegruppe, die neugierig stehen bleibt, oder eine Gruppe türkischer Geschäftsfrauen, die mehr über den Hintergrund der Aktion erfahren möchte.
Manchmal werden die Begegnungen auch sehr persönlich. Vanessa erinnert sich besonders an ein Gespräch mit zwei Müttern, die von ihren finanziellen Schwierigkeiten und familiären Sorgen erzählten. Trotz ihrer belastenden Situation genossen es beide, bei der Aktion dabei zu sein – als selbstverständlicher Teil der Gemeinschaft, ohne dass ihre schwierige Lebenssituation eine Rolle spielte. «Das hat mich berührt. Hier spielt es keine Rolle, wie viel Geld jemand hat. Alle können mitmachen und gemeinsam etwas Schönes erleben», erzählt Vanessa.
Es sind solche unerwarteten Gespräche, die den Einsatz für die beiden bereichern. Denn hinter jeder Kerze steht auch ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte.
Ein Licht anzünden und innehalten
Wenn es langsam dunkel wird und immer mehr Kerzen leuchten, entfaltet die Installation ihre besondere Wirkung. Mitten im vorweihnachtlichen Trubel entsteht ein Moment der Ruhe. Menschen bleiben stehen und nehmen sich einen Moment Zeit. Wer eine Kerze anzündet, trägt selbst ein kleines Stück zum grossen Lichtermeer bei – und setzt damit ein Zeichen der Verbundenheit mit Menschen, die von Armut betroffen sind.
«Man ist mitten im Weihnachtstrubel und hält plötzlich einen Moment inne. Das ist etwas ganz anderes als der übliche Adventsstress», bringt es Marianne auf den Punkt.
Für die beiden steht deshalb fest: Auch beim nächsten Mal möchten sie wieder dabei sein. Vielleicht ergeben sich beim Kerzenanzünden wieder unerwartete Begegnungen.