12.08.2026

Keine Schwächung der Armutsbekämpfung

Mehr als 140 Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kirchen und Zivilgesellschaft warnen vor einer Schwächung der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit.

Nach den bisher bekannten Plänen sollen Mittel aus der langfristigen bilateralen und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit vermehrt in die kurzfristige humanitäre Hilfe verschoben werden. Die Unterzeichnenden anerkennen die grosse humanitäre Not weltweit und die Verantwortung der Schweiz. Sie warnen jedoch davor, die beiden Bereiche gegeneinander auszuspielen.

Humanitäre Hilfe ist in akuten Krisen unverzichtbar. Langfristige Entwicklungszusammenarbeit setzt an einem anderen Punkt an: Sie trägt dazu bei, strukturelle Ursachen von Armut, Hunger, Unsicherheit und Krisen zu bekämpfen und Perspektiven vor Ort zu schaffen.

Auch der Aufbau demokratischer Strukturen, der Schutz grundlegender Rechte und die Förderung stabiler Lebensbedingungen sind langfristige Aufgaben. Damit leistet die internationale Zusammenarbeit zugleich einen Beitrag zu Frieden und Sicherheit – weltweit und in der Schweiz.

Die Unterzeichnenden fordern den Bundesrat auf,

  • die humanitäre Hilfe zu stärken, jedoch nicht auf Kosten der bilateralen und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit;
  • die internationale Zusammenarbeit konsequent auf die Bekämpfung der Ursachen von Armut und Hunger auszurichten;
  • die internationale Zusammenarbeit als Bestandteil einer umfassenden Sicherheitspolitik anzuerkennen und entsprechend zu finanzieren.

Zu den Unterzeichnenden gehören aktuelle und ehemalige politische Mandatsträger:innen, Fachpersonen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Vertreter:innen von Kirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Mehrere Mitglieder des Vorstands von Caritas Schweiz haben den offenen Brief ebenfalls unterzeichnet.

Für Caritas St. Gallen-Appenzell ist klar: Wirksame Armutsbekämpfung braucht beides – rasche Unterstützung in akuten Notlagen und langfristige Arbeit an den strukturellen Ursachen von Armut.