17.09.2026

Mitten auf dem Spielfeld - Diakonie im gesellschaftlichen Wandel

Am 10. September fand in der Paulus Akademie Zürich das erste Zürcher Diakonieforum unter dem Titel «Navigieren im Wandel – Wie bahnt sich Diakonie ihren Weg?» statt. Fachpersonen aus Sozialer Arbeit, Kirche und Diakonie diskutierten, wie gesellschaftliche Veränderungen die diakonische Praxis herausfordern – und welche neuen Handlungsspielräume sich gerade darin eröffnen.

Gregor Scherzinger von der Diakonieanimation der Caritas St.Gallen-Appenzell nahm in seiner Keynote die Perspektive der Kirche in den Blick. Seine Ausgangsthese: Kirche sitzt nicht auf der Zuschauertribüne, während sich «da draussen» die Gesellschaft verändert. Sie steht selbst mitten auf dem Spielfeld. Fachkräftemangel, psychische Belastungen, Bürokratisierung oder Orientierungslosigkeit prägen auch den kirchlichen Alltag. Gesellschaftliche Problemstellungen sind deshalb immer auch kirchliche Problemstellungen.

Eine besondere Herausforderung liegt darin, dass kirchliche Mitarbeiter:innen immer schwerer beantworten können, weshalb ihr Tun gesellschaftlich relevant ist, was ihnen selbst daran wichtig ist und wo sie mit ihrer Arbeit tatsächlich etwas bewirken. Genau hier lohnt sich ein Wechsel der Blickrichtung: Kirche sollte nicht zuerst fragen, wie sie sich selbst erhalten und ihre bestehenden Angebote weiterführen kann. Entscheidender ist die Frage, wo sie von Menschen ausserhalb ihrer eigenen Strukturen gebraucht wird und einen Unterschied macht. Diese Orientierung nach aussen müsste nicht bloss ein einzelnes Arbeitsfeld sein, sondern immer stärker zur Grundhaltung kirchlichen Handelns werden.

Gerade darin liegt die besondere Chance der Diakonie. Wo Menschen begleitet werden, die unter finanziellem oder sozialem Druck stehen, wo Einsamkeit überwunden, Teilhabe ermöglicht oder konkrete Not gelindert wird, braucht es wenig Übersetzungsarbeit: Der Sinn solchen Handelns erschliesst sich unmittelbar. Diakonische Arbeit schafft damit nicht nur gesellschaftliche Wirkung, sondern auch Erfahrungen von Sinn und Selbstwirksamkeit innerhalb der Kirche.

Eine zukunftsfähige Kirche braucht deshalb eine stärkere Hinwendung zur Diakonie – nicht als weiteres Angebot im kirchlichen Portfolio, sondern als einen Ort, an dem Kirche erfährt, wofür sie da ist. Oder zugespitzt gefragt: Wer würde es vermissen, wenn wir morgen damit aufhörten? Dort, wo die Antwort über die eigenen Kirchenmauern hinausreicht, könnte ein wichtiger Kompass für die Kirche im Wandel liegen.

Nehmen Sie Kontakt mit dem erwähnten Mitarbeiter auf.