Die regionalen Caritas-Organisationen begrüssen die Einführung eines lange erwarteten Schuldensanierungsverfahrens durch das Parlament. In der Schweiz sind tausende Menschen von Überschuldung betroffen – ohne realistische Perspektive. Das neue Verfahren bietet ihnen nun einen geregelten Weg aus ausweglosen Schulden.

Ein Schicksalsschlag, eine unerwartete Trennung oder der Verlust des Arbeitsplatzes können das Leben von einem Tag auf den anderen verändern. Die Wohnung wird zu teuer, die Betreuung der Kinder muss plötzlich allein organisiert werden, das Einkommen reicht nicht mehr aus. Rechnungen bleiben liegen, Mahnungen treffen ein, der Druck wächst. Die Erfahrung der Schuldenberatungsstellen von Caritas zeigt deutlich: Schulden entstehen äusserst selten aus Leichtsinn.

Überschuldung belastet oft das ganze Leben

Besonders schwierig ist die Situation für Menschen mit tiefen Einkommen. Wer kaum finanziellen Spielraum hat, kann unerwartete Ausgaben oft nicht auffangen. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, bestehende Schulden abzubauen. Viele Betroffene leben über Jahre am Existenzminimum, obwohl sie arbeiten und sich bemühen, ihre Situation zu stabilisieren.

Die Zahlen unserer Beratungsstellen sprechen für sich: Rund 40% der Ratsuchenden sind bereits seit mehr als fünf Jahren verschuldet, ein Viertel sogar seit über zehn Jahren. Viele Betroffene sehen keinen realistischen Weg, aus dieser Spirale herauszukommen.

Das Parlament schafft die Grundlage für einen Neuanfang

Hier setzt das eben verabschiedete Sanierungsverfahren mit Restschuldbefreiung an. Es sieht vor, dass überschuldete Personen nach 3 Jahren mit Rückzahlungspflicht von ihren verbleibenden Schulden befreit werden können. Während dieser sogenannten «Abschöpfungsphase» müssen Betroffene weiterhin mit dem Existenzminimum auskommen und den pfändbaren Teil ihres Einkommens abgeben. Nur wer ernsthaft zahlungsunfähig ist und sich nachweislich bemüht, seine finanzielle Situation zu verbessern, kann vom Verfahren profitieren.

Die Einführung dieses Verfahrens ist ein wichtiger sozialpolitischer Schritt, den die regionalen Caritas-Organisationen ausdrücklich begrüssen. Das Verfahren schafft einen klar geregelten Weg für Menschen, die trotz grosser Anstrengungen keine realistische Möglichkeit mehr haben, ihre Schulden vollständig zurückzuzahlen. Es gibt ihnen eine Chance, wieder Fuss zu fassen und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Davon profitieren nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Familien und die Gesellschaft insgesamt.