09.02.2026
Ein Rückblick auf das Caritas Zentralschweiz Podium
Am 29. Januar 2026 haben Expert*innen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutiert: Wie sichern wir den sozialen Zusammenhalt in diesen unsicheren Zeiten?
Wie Konflikte eine Demokratie stärken können
Wie sichern wir den sozialen Zusammenhalt in diesen unsicheren Zeiten? Diese Frage stand im Zentrum des Caritas Zentralschweiz Podiums vom 29. Januar im Auditorium der Luzerner Zeitung. Mit dabei: Felix Gmür, Bischof von Basel, Regierungsratspräsidentin Michaela Tschuor, Kantonsratspräsidentin Gisela Widmer Reichlin, Antonius Liedhegener, Professor für Politik und Religion an der Uni Luzern, sowie die politische Philosophin Anna Boos.
Aus Sicht der Forschung relativiert Antonius Liedhegener zunächst die Vorstellung, Zusammenhalt lasse sich grenzenlos steigern. Zu viel Zusammenhalt könne Druck erzeugen und Freiheiten reduzieren – ein Gleichgewicht sei entscheidend. Dennoch sind sich alle einig: Der Zusammenhalt in der Schweiz sinkt.
Sind es gesellschaftliche Konflikte, die in diesen unsicheren Zeiten den Zusammenhalt schwächen? Nicht zwingend, betont Anna Boos – denn Konflikte gehören zur Demokratie. Die zentrale Frage sei, wo und wie diese ausgetragen werden. Auch Michaela Tschuor greift den Gedanken zur Konfliktfähigkeit einer Demokratie auf. Es sei an der Zeit, die gängige Einstellung, zwischenmenschliche Konflikte seien per se nicht gut, über Bord zu werfen. «Für einen besseren Zusammenhalt müssen wir Konflikte normalisieren. Dazu gehört auch das Verständnis, dass man sie lösen kann.»
Konflikte also als Schlüssel für ein besseres Miteinander?
Was widersprüchlich klingt, ist es keineswegs. Zumindest seien es weniger die Konflikte selbst, die eine Demokratie schwächen, sondern die heute beobachtbare «Vereinzelung der Gesellschaft», meint Anna Boos. Eine Demokratie lebe von einer «Praxis des Miteinanders». Dafür braucht es Räume – in Vereinen, Nachbarschaften oder bei freiwilligem Engagement.
Für einen besseren Zusammenhalt müssen wir Konflikte normalisieren.
Die Kreation solcher Räume, in denen Menschen ausserhalb ihrer eigenen Bubble zusammenkommen können, geschieht nicht von alleine, findet Gisela Widmer Reichlin. «Dafür braucht es auch politischen Willen.» Und Felix Gmür betont: Auch die Kirche kann ein Begegnungsraum sein, der Zugehörigkeit ermöglicht, ohne etwas zu verlangen.