05.10.2026
Engagierte Partner für bedeutsames KulturLegi-Angebot
Sie verfolgen dasselbe Ziel: die Teilhabe und die Chancengleichheit zu ermöglichen, Strukturen zu schaffen und die persönliche Entwicklung zu fördern. Drei langjährige KulturLegi-Partner*innen berichten von ihrer Motivation und ihrem Engagement, mit der sie armutsbetroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Thurgau unterstützen und ihnen die soziale und kulturelle Teilhabe erleichtern.
Für viele mag die soziale und kulturelle Teilhabe so selbstverständlich sein, wie die individuellen Termine, die sie dafür regelmässig in der persönlichen Agenda festhalten. Das Angebot ist gross und vielfältig; je nach Neigung, Interesse und verfügbarer Zeit lässt sich der passende Malkurs, der gewünschte Konzertbesuch oder die bevorzugte Trainingseinheit frei wählen. Ist der finanzielle Spielraum eng, fallen diese Möglichkeiten aus dem Budgetrahmen. Die gesellschaftliche Teilhabe, die geistige Anregung, die persönliche Weiterbildung – der Ausgleich zum schulischen und beruflichen Alltag – gehen verloren.
Das Karatecenter Kreuzlingen, die Bildschule Frauenfeld und das Kulturzentrum Eisenwerk engagieren sich seit vielen Jahren als KulturLegi-Partner*innen von Caritas Thurgau. Sie berichten, weshalb sie ihr Programm auch Menschen mit geringeren finanziellen Mitteln zugänglich machen. Das Gespräch zeigt auf, dass sie unabhängig voneinander dieselben Ziele verfolgen: die Teilhabe aller ermöglichen, Chancengleichheit schaffen, orientierende Strukturen bieten und persönliche Entwicklungen fördern.
Mit dem Training wächst das Selbstbewusstsein
Mit rund 250 Mitgliedern zählt die Karateschule von Reto Kern inzwischen zu den grössten der Schweiz. Seit der Gründung im Mai 1999, als er seinen Traum verwirklichte, leitet er alle Kurse selbst, inzwischen tatkräftig unterstützt durch Assistenztrainer*innen. Reto Kern war 17 Jahre, als er über einen Kurs mit der Kampfsportart in Berührung kam, und die Begeisterung dafür liess ihn nicht mehr los. Reto Kern begann, diszipliniert und mit viel Freude zu trainieren. Aus eigener Stärke, enormer Willenskraft und innerer Zuversicht professionalisierte er seinen Trainingsplan und nahm an zahlreichen Wettkämpfen im In- und Ausland teil. Reto Kern wurde fünffacher Schweizer Meister, erlangte den sechsten Dan-Grad, war Teil der Elite-Nationalmannschaft und deren Captain.
Die Räumlichkeiten sind noch dieselben wie damals, als er vor 27 Jahren die Karateschule gründete. Zu Beginn reduzierte er das Pensum seines ursprünglichen Berufs und lehrte in den ersten Jahren des Aufbaus seiner Karateschule jeweils 10 bis 15 Schülern die Kunst des Kampfsports. Die finanzielle Einbusse nahm er in Kauf. «Das Schöne ist, dass ich meinen Traum umgesetzt habe», hält Reto Kern rückblickend fest.
«Den Kindern eine gute Startchance zu ermöglichen, liegt mir besonders am Herzen»
Die Dimension seiner Arbeit ist es, die ihm seither immer wieder aufzeigt, wie wichtig und bedeutsam seine Entscheidung war. Karate tut jungen wie älteren Menschen gut. Das Training stärkt das Selbstbewusstsein. Die Regelmässigkeit gibt insbesondere Kindern und Jugendlichen eine Struktur, die sie in ihrem Alltag oftmals vermissen, weil das familiäre Umfeld belastet ist, weil beide Eltern arbeiten oder selbst zu wenig stabil sind, weil ein Familienmitglied krank ist, die Eltern getrennt leben oder sich gerade in Trennung befinden. Für viele ist die Karateschule ein Ort, an dem sie einen Ausgleich finden. Leider könne er nicht alles auffangen, hält Reto Kern fest. Es komme vor, dass Jugendliche plötzlich weinen, weil sie zu Hause oder in der Schule Probleme haben. Schon oft habe er sich dann zu ihnen gesetzt, mit ihnen gesprochen und zugehört.
Wichtig bleibt für Reto Kern, dass sich alle das Hobby leisten und vom Training im sozialen wie auch im persönlichen Bereich profitieren können. Die Caritas KulturLegi-Karte ist gut kontrolliert und bezugsberichtigt sind nur jene, die mit einem kleinen Budget haushalten müssen. Diesen bietet Reto Kern einen grosszügigen Rabatt von 50% auf das Abonnement, selbst wenn er dadurch auf Einkommen für seine Karateschule verzichten muss. «Ich sehe es wie eine nationale Spende. Es gibt auch hier bei uns viele Menschen, denen es nicht gut geht. Den Kindern eine gute Startchance zu ermöglichen, das liegt mir besonders am Herzen», hält Reto Kern nachdrücklich fest.
Künstlerische Kreativität fördern
Die Bildschule vereint visuelles und handwerkliches Gestalten sowie malerische Ausdrucksformen unter einem Dach. Kinder und Jugendliche im Alter von 4bis 16 Jahren werden darin gefördert, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Silvia Peters gründete die Bildschule 2017 gemeinsam mit einer Gruppe engagierter Personen. Seit Herbst 2018 sichern ausgebildete Kunstschaffende die Semester- und Ferienkurse in verschiedenen Bereichen der bildenden Kunst. Darüber hinaus führt die Bildschule Projekte für Schulklassen und andere Institutionen in Frauenfeld sowie kantonsweit durch. Je nach Wunsch und Kapazität stellt sie dafür entweder ihre eigenen Räumlichkeiten zur Verfügung oder realisiert die Projekte vor Ort. Das Angebot umfasst ein breites Spektrum an Stilrichtungen: Zeichnen, Malen, Illustrieren, Comic-Zeichnen, Drucken, Bildhauerei, Arbeiten mit Holz, Gips oder Draht sowie Fotografieren und Filmen.
«Die KulturLegi ist ein wirksames Mittel, möglichst allen Menschen kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.»
Seit der Gründung der Bildschule lag Silvia Peters und ihren Gründungsmitgliedern besonders am Herzen, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen den Zugang zum kreativen Gestalten zu ermöglichen, auch solchen aus wirtschaftlich schwächeren Familien. Ein privater Mäzen ermöglichte gleich zu Beginn die Einrichtung eines Stipendienfonds, der seither immer wieder mit Stiftungsbeiträgen ergänzt wurde.
Die Kurspreise sind bewusst niedriger angesetzt als bei vergleichbaren Anbietern, was für öffentliche Institutionen wie die Stadt Frauenfeld als auch für kantonale Einrichtungen ein wichtiges Entscheidungskriterium ist. Aus diesem sozialen Verständnis heraus beteiligt sich die Bildschule auch am KulturLegi-Programm von Caritas. Diese vergünstigte Teilnahme wird seit etwa zwei Jahren genutzt; bislang profitierten 15 Kinder davon. Der administrative Aufwand dafür ist gering: Bei Vorlegen der KulturLegi gewährt die Bildschule als Partnerin von Caritas 30% Rabatt auf das Kursgeld. Einen grösseren Aufwand bedeutet hingegen das stete Auffüllen des Stipendienfonds, aus dem die Mindereinnahmen finanziert werden.
«Kulturelle Bildung ist ein wesentliches Element unserer Gesellschaft, das es zu pflegen gilt», betont Silvia Peters. Denn was in der Musik funktioniert, gilt gleichermassen für das bildnerische Gestalten: Künstlerische Kreativität ermöglicht Menschen – ob Kindern oder Erwachsenen –, sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und diese Auseinandersetzung in einem persönlichen, eigenen gestalterischen Zugang festzuhalten. Barbara Luginbühl, Schulleiterin der Bildschule ergänzt: «Die KulturLegi ist ein wirksames Mittel, möglichst allen Menschen kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.»
Mutig sein und sich auf Neues einlassen
Ob Jazz, Heavy Metal, Soul, Poetry Slam, Rock, Kunstausstellung, Kabarett oder Sprechtheater – jede Kulturveranstaltung ist ein Begegnungsort. «Wertvolle Impulse entstehen oftmals gerade dann, wenn man sich auf Unbekanntes einlässt», weiss Claudia Rüegsegger, Leiterin des Kulturbereichs vom Eisenwerk in Frauenfeld. «Manchmal muss man sich einen Schubs geben und mutig sein». Denn nichts ist so einfach, wie ein Kulturbesuch – auch für Personen, die alleine unterwegs sind. Vielleicht hilft die Einstellung der jüngeren Generation, diese Hemmschwelle zu lockern. Genauso, wie sie es mit der Nutzung der Caritas KulturLegi geschafft hat. Auch die Corona-Zeit hat dazu beigetragen, dass die Verwendung der KulturLegi selbstverständlicher wurde. Denn Unterstützung zu beantragen ist kein Versagen.
Für Claudia Rüegsegger und ihr Team war es schon immer selbstverständlich, die Nutzungsschwelle im Eisenwerk möglichst tief zu halten. Die Teilhabe am Kulturleben muss für alle möglich sein; sie darf keine Frage des Geldbeutels sein. Das genossenschaftlich organisierte Eisenwerk pflegt seinen offenen und zugänglichen Charakter seit seiner Gründung vor über 40 Jahren. Das Angebot soll auch jenen offen stehen, die finanziell kämpfen müssen.
Kultur im Eisenwerk beschäftigt sich daher immer wieder mit der Frage, was sich unternehmen lässt, damit die Caritas KulturLegi-Karte gut genutzt wird. Seit der Corona-Zeit beispielsweise gewährt Kultur im Eisenwerk einen Einheitspreis von 5 Franken zu allen Veranstaltungen bei einem Basiskontingent von 5 Karten. Was bei Konzertpreisen von bis zu 50 Franken ein äusserst attraktiver Preis ist. Bereits im Vorverkauf kann bei der Billettbestellung neben den gängigen Kategorien für Schüler, Azubis oder Studentinnen einfach die Kategorie KulturLegi gewählt werden. An der Abendkasse ist die KulturLegi dann, wie für alle anderen Ausweise ebenso üblich, vorzuzeigen.
Auch für weitere Kulturbereiche hat das Eisenwerk niederschwellige Angebote eingerichtet. Eltern mit geringem Budget können ihre Kinder und Jugendlichen dank der KulturLegi dennoch an Kursen teilnehmen lassen. So zeigt sich gerade beim Theaterspiel, wie Kinder enorm an Selbstvertrauen gewinnen. Auch für Erwachsene wird es dank der KulturLegi finanziell tragbar, an Theaterkursen teilzunehmen. Das gemeinsame Erarbeiten eines Projekts in einer gesellschaftlich wie interkulturell durchmischten Gruppe wird immer wieder als bereichernd empfunden.
Neben den drei klassischen Kultursparten Darstellende Kunst, Theater und Musik hat das Eisenwerk vor 5 Jahren die Gemeinschaftswerkstatt co-labor mit Leihlager eingerichtet. In diesem Lager sind Gerätschaften und Utensilien verfügbar, die in der Anschaffung teuer sind und privat nur gelegentlich genutzt werden. So umfasst diese Bibliothek der Dinge etwa Werkzeuge, Nähmaschinen, ein Dörrgerät oder einen Veloanhänger.
Die Gemeinschaftswerkstatt wiederum verfügt über Geräte, wie einen Lasercutter oder einen 3D-Drucker, und ist als Holz- und Elektrowerkstatt ausgerüstet wie auch u.a. als Töpferei. Nach einer Einführung können die Nutzer*innen die Räumlichkeiten und Gerätschaften nutzen, um an eigenen Projekten zu arbeiten. Ebenso werden Kurse- und Weiterbildungsprogramme angeboten. Die Nutzung des co-labors kostet monatlich 10 Franken; mit der KulturLegi sind es noch 5 Franken.
Für Claudia Rüegsegger ist wichtig, dass die Anträge auf eine KulturLegi-Karte von Caritas überprüft werden. Und zwar fundiert, wie sie weiss. Damit ist zum einen sichergestellt, dass die Entscheidungskriterien unabhängig definiert sind und zum anderen die Erst- wie auch die jährlich stattfindenden Überprüfungen durch Caritas erfolgen. «Als Kulturveranstalterin finde ich es wichtig und richtig, dass die Legitimierung durch eine unabhängige Stelle erfolgt und der Zugang zur Caritas KulturLegi-Karte allen Altersgruppen offensteht.»
«Wertvolle Impulse entstehen oftmals gerade dann, wenn man sich auf Unbekanntes einlässt»
KulturLegi Thurgau
Ob als Einzelperson oder Familienmitglied, bezugsberechtigte Personen erhalten mit der Caritas KulturLegi neben vergünstigten Einkaufsmöglichkeiten in den Caritas-Märkten auch preisgünstigen Zugang zu verschiedenen Bildungs- und Freizeitangeboten.
Möchten Sie mithelfen, das Bildungs-, Freizeit- und Kulturangebot zu vergrössern? Dann melden Sie sich bei uns für eine KulturLegi-Partnerschaft!
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